Die Zukunft des Einzelhandels

Ich persönlich habe gar nichts gegen den fortdauernden Winter. Auch, weil ich gerne auf Skiern unterwegs bin. Von der Haustür bis zum Lift sind es 35 Minuten; für einen ehemals Norddeutschen ist das nicht mal ein Katzensprung, eher ein Wimpernschlag. Am letzten Samstag brauchten wir überraschend neue Skischuhe für meine bessere Hälfe. So fuhren wir ins Fachgeschäft. Als der Verkäufer („Wie kann ich Ihnen helfen?“) merkte, dass die Damenstiefel in der gewünschten Größe nicht da sind, machte er uns erste Vorwürfe: „Wie kann man nur so spät in der Saison noch Skistiefel kaufen! Da ist natürlich nichts mehr da …“ Noch im Laden telefonierten wir mit der Konkurrenz. „Kommen Sie vorbei, ich stelle die Größe schon einmal zurück!“

Beim Rausgehen sah ich dann noch eine Angebotsecke mit Winterschuhen und wollte mein Glück probieren. „Welche Größe haben Sie?“ „44“ Der Kommentar des Verkäufers: „Vergessen Sie’s!“ Immerhin merkte er, dass seine Kommentare wirkten und fragte: „Welche Absagen kann ich Ihnen noch erteilen.“ Obschon dieser Sarkasmus für ihn spricht, war mein Bedarf gedeckt. Bevor er uns grußlos verließ, machte er sich noch über spontanen Kaufimpulsen folgenden Kunden lustig und endete mit einer Klage über seine langen Arbeitszeiten. Meine Stimmung hatte sich inzwischen gebessert. Das Potenzial für Vertriebsschulungen ist offensichtlich riesig; gut für meine Kollegen.

Wahrscheinlich aber hat der Verkäufer alles, was er hat, in Amazon-Aktien angelegt – und will mit seinem Verhalten dem Einzelhandel endgültig den Garaus machen.

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