Laterales Führen

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn am kommenden Samstag die Fußball-Bundesliga-Saison zu Ende geht, steht schwarz auf weiß in der Tabelle, wer zu den Gewinnern gehört, wer zu den Verlierern. Nicht nur bei den Teams, auch bei den Trainer. Selten hat sich deren Personal-Karussell so rasant gedreht, wie in den vergangenen Monaten. Hochkatapultiert hat es die Kommunikatoren, auch Konzepttrainer genannt. Also Männer, wie Klopp, Tuchel und Dutt, die klare Vorstellungen über Spielsysteme und Trainingsmethoden haben und gleichzeitig die Spieler als mündige Partner ansehen. Ihnen gegenüber stehen diejenigen, die autoritär die Richtung vorgeben. In dieser Runde mussten die „Alleinherrscher“ selber gehen, wie van Gaal, oder wie Magath um den Abstieg kämpfen. 

Betrachtet man die Trainer auf den oberen Tabellenplätzen, dann fällt auf: In ihrem Führungsstil drückt sich Wertschätzung aus, sie lassen ihr Team teilhaben an Entscheidungsprozessen, sie informieren über Hintergründe und Motive. In vielen Situationen sind das die entscheidenden Faktoren für Erfolg. Im Fußball – und auch im Business. Disziplinarische Macht reicht nicht aus, um eine gute Performance zu erzielen. Und wer „nur“ fachlich führt, Projektleitungs-, Koordinations- oder Schnittstellenaufgaben ausübt, hat diese disziplinarische Power auch nicht. Wie es dennoch funktionieren kann, andere zur Kooperation zu gewinnen, darum geht es beim sogenannten „Lateralen Führen“ und auch in diesem Infobrief.

Eine anregende Lektüre und frische Impulse wünscht Ihnen –
Ihr Udo Kreggenfeld

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Management Know-how – Laterales Führen

Sich durchsetzen können ohne Weisungskompetenz zu besitzen, ist im Berufsleben heutzutage außerordentlich wichtig. Das hat verschiedene Ursachen: Hierarchien sind flacher, team-, abteilungs- und bereichsübergreifende Zusammenarbeit häufiger und die Abstimmungsprozesse mit anderen Firmen oder Organisationen enger geworden. Dadurch kommen wir permanent in dieselbe Situationen: Wir möchten unseren Gesprächspartner dazu bringen etwas zu tun, von dem wir überzeugt sind. Aber wir können es nicht anordnen, weil wir nicht der Chef sind. Aber so nebenbei gefragt: Wer glaubt wirklich, dass Mitarbeiter etwas gut und dauerhaft tun, nur weil es von oben befohlen wird? 

Das Konzept des lateralen Führens, von Stefan Kühn und Thomas Schnelle entwickelt, greift genau dort, wo hierarchische Weisungsbefugnis nicht funktioniert. In der täglichen Praxis also ständig, denn Weisung durch Hierarchie braucht ideale Voraussetzungen – und zwar gleich in drei Bereichen: Macht, Vertrauen und Verständigung. 

Im Idealfall ist klar geregelt, wer wobei das Sagen hat (Macht), alle sind über die für sie relevanten Themen gleichermaßen informiert (Verständigung) und jeder kann sich auf jeden verlassen (Vertrauen). Sind Ihre Entscheidungsprozesse so ideal? Dann brauchen Sie sich um laterales Führen keine Gedanken zu machen. Ich vermute aber, dass ist höchstens bei einigen routinemäßigen Vorgängen so. Im normalen Geschäftsalltag sind Verständigung und Vertrauen notwendig und Machtspiele unvermeidlich.

Macht, Vertrauen und Verständigung, das sind die drei Bälle, mit denen Sie jonglieren müssen, wenn Sie lateral führen. Verschiedene Wege stehen Ihnen offen, um Ihre Kooperationspartner in die Richtung Ihrer Ziele zu bewegen. Wie Sie das Spiel um die Macht für sich nutzen können, habe ich in einem kürzlich in der Karrierewelt veröffentlichten Artikel "Machiavelli für Fortgeschrittene" beschrieben. Grundsätzlich gilt es zu überlegen, wie Sie die Hierarchie als Ressource für Ihre Zwecke einbinden können. Das kann bei größeren Projekten u.a. die Einführung von Steuerkreisen sein, in der regelmäßig strittige Punkte besprochen und die divergierenden Interessen zur Sprache gebracht werden. Darüber hinaus sind Sie gut beraten, sich über die Ziele der Teams, der Abteilungen, der Kollegen zu informieren und in Vorleistung zu gehen, wenn es darum geht, Vertrauen aufzubauen.  

Welche Möglichkeiten es noch gibt, trotz unterschiedlicher Interessen und unklarer Machtstrukturen zu kooperieren, welche Werkzeuge und Fähigkeiten dabei helfen und wie Sie sie ganz konkret ‚auf die Straße bringen‘ können, darum geht es in meinen Seminaren und Coachings. Sprechen Sie mich gerne darauf an.  

Tipps und Tricks:

Es ist wie es ist! Manchmal ist der erste Schritt, einfach die fehlende Weisungsbefugnis zu akzeptieren. Denn im Zweifel ist einem Mitarbeiter der direkte Linienvorgesetzte immer wichtiger. Das bedeutet für Sie, die bestehenden Machtstrukturen so zu berücksichtigen wie sie sind.

Viele Wege führen nach Rom. Sie erhöhen die Kooperationschancen, wenn Sie offen sind für die Ziele Ihrer Partner und den Weg, auf dem das Ziel angegangen wird. Denn selbst wenn die (Denk-)Richtungen verschieden sind, können sie sich kreuzen. Kaum einer wird „Hurra“ schreien, wenn Sie ihn mit zusätzlichen Aufgaben aufbürden wollen. Doch vielleicht gelingt eine Lösung nach dem Motto „Wenn ihr das heute erledigt, halten wir euch den Freitag frei – wichtig ist, dass am Montag das Ergebnis steht.“

Quick wins für schnelle Erfolge. Regeln lassen sich am besten mit ‚Quick wins‘ verändern – besonders inoffizielle, die sich auf die Art und Weise der Zusammenarbeit beziehen. Nach Fusionen werden häufig der übernehmenden Firma Informationen verweigert. Brechen Sie diese Muster, wagen Sie eine riskante Vorleistung indem Sie Ihrerseits die Karten auf den Tisch legen. Wenn Sie es dann noch schaffen, lange auf Halde liegende Probleme überraschend schnell zu lösen, stehen die Chancen nicht schlecht, dass Sie nicht nur führen, sondern dass Ihnen auch gefolgt wird.

Zum Nachdenken und Schmunzeln

Ein wichtiger Erfolgsfaktor beim – nicht nur lateralen – Führen lautet: Integrität. Also zu dem Stehen, was man sagt. Diese Forderung ist leicht erhoben – und nicht immer leicht durchzuhalten:

  • "I did not have sexual relations with that woman."
    Bill Clinton, Präsident der USA, bei einer Ansprache im Fernsehen zu seiner Beziehung mit der Praktikantin Monica Lewinsky

  • "Ich habe zu keinem Zeitpunkt verbotene Doping-Mittel konsumiert, gespritzt oder auf andere Art und Weise zu mir genommen."
    Jan Ullrich, zurückgetretener Radprofi und Tour-de-France-Sieger

  • "Ein Priester muss gewaltlos sein. Daran habe ich mich immer gehalten."
    Walter Mixa, katholischer Bischof von Augsburg, auf den Vorwurf der Kindesmisshandlung

  • "Ich habe überhaupt keine Erinnerungen jedweder Art daran, in meiner Zeit als Lehman-Chef etwas über Repo-105-Transaktionen gehört zu haben."
    Richard Fuld, Vorstandsvorsitzender von Lehman Brothers, auf den Vorwurf von Buchhaltungstricks in seiner Bank

  • "Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe haltlos sind."
    Uwe Barschel, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein nach Enthüllungen über Intrigen gegen Oppositionsführer Björn Engholm

  • "Ich tue das, weil ich ein absolut reines Gewissen habe."
    Christoph Daum, Fußballtrainer, nach Abgabe einer Haarpobe, um den Vorwurf zu widerlegen, er habe Kokain zu sich genommen

Ihre Hinweise und Anregungen nehme ich gerne auf: info@kreggenfeld.de
Unter der gleichen Adresse können Sie die Kontaktdaten ändern oder den Infobrief abbestellen. Weitere Informationen auch unter www.kreggenfeld.de
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