Position beziehen – und trotzdem beweglich bleiben

Das Martin Schulz nicht nur als SPD-Vorsitzender zurück treten sondern auch seine Ambitionen auf das Amt des Außenministers aufgeben musste, wird nach meiner Wahrnehmung am häufigsten damit begründet, dass er widersprüchliche Statements abgegeben hat. Vor allem zwei davon sind ihm immer wieder vor die Füße gefallen: der 1. ‚Der Platz der SPD ist in der Opposition!‘ Und 2.: ‚Ich werde niemals in eine Regierung von Angela Merkel eintreten.‘
Einmal abgesehen davon, dass die Kontexte sehr unterschiedlich waren, in denen er diese Sätze ausgesprochen hat und in denen er sie dann widerrufen hat, hätte ihn eine kleine rhetorische Finesse möglicherweise retten können. Sie besteht aus Worten wie: …‘ unter diesen Umständen‘ …, ‚heute‘, …‘mit diesen Akteuren …‘

Seine Statements hätten sich nur leicht verändert: 1. Unter diesen Umständen ist der Platz der SPD in der Opposition. (Als Jamaika lang gescheitert war, haben sich die Umstände geändert – eine nachvollziehbare Wende!) 2. Unter diesen Umständen werde ich nicht in eine Regierung von Angela Merkel eintreten. (3 Monate später kann die Situation freilich ganz anders aussehen. Und mit Worten wie nie und niemals sollte man ehedem vorsichtig sein. Doch wahrscheinlich glauben viele Politiker immer noch, mit apodiktischen (keine Zweifel zulassenden) Äußerungen Stärke zeigen zu müssen.)

Diese Technik kommt das der Verhandlungsführung. Sie wird benutzt um Verhandlungen abzubrechen und die Türen dennoch offenzuhalten – und um beweglich zu bleiben.

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