Unterschiedliche Interessen miteinander verknüpfen: Logrolling für Jamaika (I)

Man hört, dass die Koalitionsverhandlungen in Berlin ins Stocken geraten. Wenn’s scheinbar nicht mehr weitergeht, kann Logrolling helfen. Logrolling (amerikanisch: gegenseitige Unterstützung) ist ein Verhandlungswerkzeug, das sich besonders für politischen Aushandlungsprozesse eignet. Haben zwei Parteien unterschiedliche Ziele, einigt man sich, indem Partei A für ein Ziel der Partei B stimmt, das ihr selbst nicht wichtig, für Partei B aber sehr wichtig ist. Zum Ausgleich dafür stimmt Partei B für ein Ziel, das für Partei A sehr wichtig, für B aber unwichtig ist.

Der Erfolg dieser Methode hat sich u.a. in den geheimen Friedensverhandlungen zwischen Israel und der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) im Jahr 1993 in Norwegen gezeigt. So berichtet die britische Journalistin Jane Corbin: Als die Verhandlungen bereits zu scheitern drohten, sollten die Parteien aus den 16 noch strittigen Knackpunkten diejenigen acht Punkte auswählen, die ihnen am wichtigsten waren. Jetzt konnten die unterschiedlichen Prioritäten miteinander verknüpft werden: Für die Israelis war etwa die PLO-Erklärung zum Existenzrecht für Israel auf palästinensischem Boden wichtiger als ihre eigene Ablehnung der völkerrechtlichen Anerkennung der PLO aufrechtzuhalten. Genau andersherum war es bei den PLO-Vertretern. Einige der dicksten Kühe konnten so vom Eis geholt werden – und die Anzahl der Knackpunkte nahm erheblich ab.

Was zwischen Israel und der PLO funktioniert hat, sollte doch auch unter den potentiellen Jamaika-Koalitionären möglich sein – oder?

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