In einer Zoomsitzung mit über 50 Teilnehmern gestern ist das Gespräch auf eine Besonderheit von internetbasierter-Video-Kommunikation gekommen: bei Zoom und auch bei ähnlichen Systemen sieht man sich selbst beim Sprechen zu. In der ‚Face to Face‘-Situation haben wir dieses Phänomen nicht. Das sehen wir alles, was wir in unser Blickfeld nehmen können. Unser eigenes Gesicht, unsere Mimik, unser Aussehen, unseren Ausdruck sehen wir nicht. Ist das jetzt ein Vorteil oder ein Nachteil oder einfach nur ein Unterschied?

Alle Narzissten werden das gut finden. Denn wer sich immer schon gern im Spiegel sah, sieht sich jetzt vermutlich auch gerne auf seinem Bildschirm 🙂
Gleichzeitig bleiben damit Fragen aktuell, die sonst zwar auch da sind, aber leichter in den Hintergrund treten: Wie sehe ich heute aus? Wer in der Runde sieht am besten aus? Wie könnte ich meine Wirkung optimieren? Da kann also eine Menge Energie für Beschäftigung der visuellen Wirkung abfließen.

Auf der anderen Seite wissen wir aus Trainings und Coachings zur persönlichen Wirkung, wie wichtig es sein kann, einmal eine Videoaufnahme von sich selbst zu sehen. Das ermöglicht u.a. ein besseres Verständnis dafür, wie wir beim anderen/beim Publikum ankommen. Immer wieder fallen Sätze wie: „Die Kamera lügt nicht.“ Oder: „Jetzt verstehe ich, warum ich diese oder jene Wirkung bei anderen erzeuge …“

Und darin könnte ein Vorteil liegen, wenn wir uns selbst beim Sprechen beobachten können: wir entwickeln mehr Bewusstsein für unseren mimischen Ausdruck – und können diesen dann auch den anderen erläutern. Indem wir z.B. sagen, warum wir gerade die Augenbrauen hochziehen, die Stirn in Falten legen, die Mundwinkel nach unten ziehen, etc. – und damit die Wahrscheinlichkeit erhöhen, so verstanden zu werden, wie wir es wollen.