Das Taxi-Dilemma

Im Laufe der Jahre bin ich aufgrund der häufigen Reisen viel Taxi gefahren. Dabei hat sich ein kleines uns sehr subjektives Ranking ergeben. Die schlechtesten Taxifahrer fahren in Freiburg (Ausnahme: Hercher). Wenn man dort nach 22 Uhr mit dem ICE ankommt und sich nicht beeilt, sind die vorderen Wagen am Taxistand schon weg. Weiter hinten stehen noch mehr Taxis. Aus irgendwelchen Gründen kommen diese aber nicht näher zum wartenden Fahrgast; der Fahrgast muss mit all seinem Gepäck zum Taxi gehen, und, wenn er Pech hat, das Gepäck auch selbst in den Kofferraum wuchten. Im Taxi ‚steht‘ dann der der Zigarettenrauch des Fahrers. Seine Lieblingsmusik dröhnt aus den Boxen und unter Missachtung der gesamten StVO., insbesondere der Geschwindigkeitsregeln, fährt er einen so nach Hause, dass eine vollbesetzte Straßenbahn auf einmal sehr attraktiv erscheint. Schrecklich. Der schnellste mir bekannte Taxifahrer fährt in Berlin. Vom Prenzlauer Berg musste ich neulich zügig zum Flughafen nach Schönefeld. Der Fahrer schien mein rechtzeitiges Ankommen als persönliche Verpflichtung zu begreifen. Mit Vollgas, ständigem Spurwechsel, immer auf Tuchfühlung mit nichts Ahnenden vor uns fahrenden Autos kamen wir rechtzeitig an. Ich hatte ein schlechtes Gewissen. In einer Geschwindigkeitskontrolle hätten sie den Führerschein sofort eingezogen (das weiß ich aus eigener Erfahrung). Gleichzeitig fand ich den Einsatz bemerkenswert. Warum habe ich das so anders erlebt, als die Harakiri-Fahrten in Freiburg? Ich glaube, weil der Berliner es für mich tat – und der Freiburger für sich. Vielleicht aber auch nur, weil ich in Freiburg auf dem Weg nach Hause keine anderen Anschlüsse mehr bekommen muss.

Die Macht des Zufalls

Cornflakes und Penicillin, Viagra und Kartoffelchips, Eis am Stil, der Mikrowellenherd, Frotteehandtücher – das alles sind ‚zufällige‘ Erfindungen. Die jeweiligen Akteure waren auf der Suche nach etwas anderen (Herzdurchblutung bei Viagra), haben nachts bei unter 0 Grad einen Fruchtsaft mit einem Löffel drin draußen stehen gelassen (Eis am Stil) oder merkten, dass im Labor neben einer bestimmten Maschine der Schokoriegel in der Tasche schmolz (Mikrowelle). In der systemischen Theorie sagt man wohl auch deswegen, dass lebende Systeme sich über Bedürfnisse, Störungen und Zufälle steuern. Das habe ich in der letzten Woche sehr eindrücklich am eigenen Leib erfahren. Ich hatte eine wichtiges Online-Meeting und wollte das technische Equipment ein wenig ‚aufrüsten‘. Ein Teil des Plans war es, die Videokamera zur Webkamera zu machen, weil sie die mit Abstand besten Bilder macht. Leider konnte das Notebook sie nicht als Kamera erkennen. Treiber dazu gibt es nicht, in den Fachgeschäften konnte niemand helfen und mein IT-Mann des Vertrauens hatte auch keine Idee. Als ich dann im Netz nach besseren Webcams suchte, fand ich zufällig den Verweis auf sogen. Camlinks, die die Videokamera für PC erkennbar machen. Yippee! Kaum war das Teil da, hielt es nur einen Teil seines Versprechens. Zwar wurde das Bild der Kamera übertragen, allerdings erschien alles breiter. Normale Menschen wurden zu Hulk. Mit Hilfe eines Video-Spezialisten gingen wir alle Einstellungs- und Aufzeichnungsoptionen durch - ohne Erfolg. Der Spezialist wollte gerade gehen, als er zufällig noch einen schwer zu erkennenden Knopf ohne Beschriftung an der Kamera sah und drückte ihn. Jetzt funktionierte es. Leider jedoch stimmte die Synchronisierung nicht, Stimme und Bild passten nicht zusammen, es waren einfach zu viele Daten. Ich suchte die Verpackung für den Camlink, um ihn zurückzuschicken und sah zufällig den Verweis auf die Systemvoraussetzungen: USB3-Port erforderlich. Dieses Feature hatte ich beim Kauf des Notebooks als Argument des Verkäufers abgespeichert, steckte den Camlink entsprechend um – und endlich funktionierte es. Zumindest eine Zeit lang. Was tun? Die analytische Ursachensuche war bisher erfolglos. Ich muss wohl auf den nächsten Zufall warten. Oder das Feld dem Fachmann überlassen …      

Die Minto-Pyramide – komplexe Inhalte verständlich rüberbringen

Die Minto-Pyramide verdankt ihren Namen der ehemaligen McKinsey-Beraterin Barbara Minto. Es ist ein ebenso nützliches wie überzeugendes Hilfsmittel zur Abbildung komplexer Strukturen. Die Kernaussage steht dabei nicht als Fazit am Ende, sondern ganz am Anfang bzw. oben. Und so wie ein Stein in einer Pyramide von mindestens zwei anderen gestützt wird, so wird hier jede Aussage von mindestens zwei Argumenten gestützt. In der aktuellen Ausgabe der managerSeminare finden Sie dazu den Artikel: Die Kunst des Reframens (managerSeminare, Heft 241, April 2018, S. 66ff). Im dort angeführten Beispiel wird die Kernaussage (an der Spitze der Pyramide) ‚Wir müssen mit unserem Münchener Bier in die Schweiz exportieren‘ mit den folgenden 3 Argumenten gestützt: ‚Hohes Marktpotential für Premium-Bier‘, ‚einzigartige Marketingfähigkeiten für den Schweizer Markt‘ und ‚signifikantes Umsatz-Gewinn-Wachstum zu erwarten‘. Jedes diese Argumente kann dann seinerseits mit weiteren Argumenten untermauert werden. So entsteht ein sehr anschauliches Bild von einem komplexen Unternehmensvorhaben. Freundlicherweise wird in dem Artikel auch auf meinen Masterplan für gelingende Präsentationen verwiesen: Präsentorik – Die Anleitung zum Applaus.

Besser austauschen …

… so lautet ein Artikel meines Kollegen Torsten G. Scheller. Darin stellt er das Meeting-Format ‚Lean Coffee‘ vor. Dieses eignet sich, wenn jmd. eine Idee hat und Unterstützung sucht, wenn zu einem Thema ein informeller Austausch unabhängig von der hierarchischen Position gesucht wird oder Gleichgesinnte zum Erfahrungsaustausch gesucht werden. Einladen und initiieren darf jeder, eingeladen wird per Aushang – nicht per E-Mail, Wie eine Wohnungsanzeige hängen die Einladungen an zentralen Orten (Kaffeeküche, Fahrstuhl, Durchgangstüren). Zu Beginn des Meetings werden dann Themen gesammelt, priorisiert, mit Zeiten belegt – und diskutiert. Maximal 10 Minuten pro Thema, max. 1 Std. pro Meeting. Es gibt keine to-do-Listen. Wer ein Thema einbringt entscheidet, wie damit weiter umgegangen und wie mit den Ergebnissen verfahren wird. Mehr über diese und weitere agile Methoden finden Sie in: Torsten G. Scheller: Auf dem Weg zur agilen Organisation. Wie Sie Ihr Unternehmen dynamischer, flexibler und leitungsfähiger gestalten. München 2017

Populismus kommt ohne Argumente aus

Am vergangenen Samstag war in Heidenheim Parteitag der AfD Baden-Württemberg. Im Radio habe ich 2 kurze Statements von Alice Weidel und Jörg Meuthen gehört. Eines besagte, dass die Flüchtlingsobergrenze von 220.000 nur als Zahl auf dem Papier stehe und keine weiteren Auswirkungen habe. Die andere These lautete, dass die Flüchtlingspolitik nur Flickschusterei sei. Ich möchte nicht argumentativ auf diese Thesen eingehen, möchte aber sagen, dass ich die Argumentation vermisst habe. Eine These, die ohne Begründung in den Raum gestellt wird, ist nun einmal eine Behauptung. Sonst nichts. Egal ob sie von der AfD, der SPD, der CDU, den Grünen oder sonst wem kommt. Mit Behauptungen Politik zu machen erachte ich als schwierig. Denn ohne argumentativen Austausch, bleibt die Wahrheitssuche auf der Strecke. Doch darum geht es den Populisten wahrscheinlich gar nicht. Das sagt zumindest auch Dr. Bernhard Weidinger, Mitarbeiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands (in DÖW, in Wien), im Gespräch mit Spiegel Online 15.3.2018: „(…) Aber die Idee, dass sich in Diskussionen 'auf Augenhöhe' das bessere Argument durchsetzt, geht nicht auf, weil der populistische Stil gar nicht auf Überzeugung abzielt. Ihm geht es um Emotionalisierung, Verschleierung, Schmeichelei gegenüber den 'Eigenen' und Feindbildpflege in Bezug auf die 'Anderen' (…)“

Georg Elser ... und die Macht des Timings

Gestern lief ein Film über Georg Elser in der ARD. Elsers Sprengstoffanschlag am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller scheiterte am Timing. 15 Minuten früher und fast die gesamte NSDAP-Spitze inkl. Führer wäre unter den Trümmern umgekommen; so sagt die Forschung. Im Film wird deutlich, welch ungeheuren starken Willen dieser Mann hatte: Das aufziehende Unheil ahnend und den zahllosen Ungerechtigkeiten nicht mehr tatenlos zuschauen könnend entwickelt Elser seinen Plan und setzt ihn im München um. Ein Mensch kann einen Unterschied machen. Und was für einen! Dass er ohne Komplizen und Hintermänner/-frauen gehandelt hat, war vielleicht sogar ein Erfolgsfaktor. Bei vielen Akteuren steigt die Gefahr, dass Kommunikationen an ungewollte Empfänger gelangen. Wer also noch irgendeine Motivation braucht, um etwas in Bewegung zu bringen, was ihm am Herzen liegt, der findet in Georg Elser eine starke Quelle. Allein das Timing … Elser fehlten 15 Minuten. Und die deutsche Politik und Gesellschaft brauchte fast 50 Jahre, um sich zu Elser als Widerstandskämpfer zu bekennen. Deswegen sollte man sein Ansinnen auch am Timing nicht scheitern lassen – gleichwohl können sich dadurch die Ursprungsziele (stark) verändern.

Online Coaching ... und wie schwer es sein kann, Ziele loszulassen

Gestern habe ich eine Urkunde zum erfolgreichen Abschluss meiner Ausbildung zum Online-Coaching bekommen – natürlich Online. Online Coaching nutzt synchrone und asynchrone Kommunikationsmedien; also z.B. Videotelefonie und Voicemails, um Kunden über räumliche Distanzen hinweg zu coachen. Zur Unterstützung werden zudem strukturierte Fragensets zur Selbstreflexion von Prof. Harald Geißler aus Hamburg und ausgewählte Apps wie ‚Coaching-Spaces‘ und ‚ProReal‘ genutzt. Mit ihnen lassen sich ausgewählte Methoden aus dem Face-to-Face-Coaching wie ‚Das Innere Team‘ oder auch Systemaufstellungen simulieren. Im Beratungs-Geschäft, mit über in Deutschland, der Schweiz und Österreich verteilten Kunden, kann ich diesen nun einen echten Mehrwert bieten: eine engmaschige und intensive Betreuung ohne zusätzliche Reiseaufwendungen. Zudem konnte ich in Sachen Auftragsklärung, Zielbestimmung und dem Erarbeiten von Lösungen noch einmal gut dazulernen. Mehr Informationen zur Ausbildung gibt’s unter https://www.online-coaching-lernen.de/ Eine andere Fortbildung zum Thema Gruppendynamik musste ich schweren Herzens aufgrund einer heftigen Grippe (Influenza) absagen - und weiß jetzt auch, was der Unterschied zu einer 'normalen' Erkältung ist ...). Das ist mir sehr schwergefallen. Ziele verfolgen ist eine Sache, Ziele loszulassen eine andere – und mindestens genauso schwer.  

„Halte Deine Freunde nahe bei Dir, aber Deine Feinde noch näher.“

​Angela Merkel hat ja am Wochenende gesagt, welche CDU-Politiker sie in ihr Kabinett berufen will, wenn denn die Groko zustande kommt. Das Jens Spahn dort als Kandidat für das Bundesgesundheitsministerium auftaucht, war für viele Beobachter eine Überraschung. Jetzt weiß man nicht, wie freiwillig sie sich zu dieser Maßnahme entschlossen hat. Schließlich steht Jens Spahn an vorderster Front der Merkel Kritiker. Doch möglicherweise hat die Überlegung, wie sie sich in dem obigen Zitat widerspiegelt, eine Rolle gespielt. Denn einerseits muss Spahn jetzt beweisen, dass er das umsetzen kann, was er von anderen fordert und andererseits kann Merkel ihn stärker in die Kabinettsdisziplin einbinden. Wesentlich risikoreicher wäre es, Spahn auf der Tribüne - also außerhalb der Verantwortung - sitzen zu lassen, von der aus er alles leicht kommentieren und kritisieren kann. „Halte Deine Freunde nahe bei Dir, aber Deine Feinde noch näher.“ Ich dachte, dass dieser Satz von Julius Caesar als Beispiel für seine geniale Führungskunst überliefert wäre. Bei Google finde ich aber nur den Verweis auf Al Pacino und ‚Der Pate, Teil 2.‘ Da bleibt nur zu hoffen, dass Jens Spahn nicht das gleiche Schicksal erlebt, wie die Feinde von Michael Corleone …

Die Zukunft des Einzelhandels

Ich persönlich habe gar nichts gegen den fortdauernden Winter. Auch, weil ich gerne auf Skiern unterwegs bin. Von der Haustür bis zum Lift sind es 35 Minuten; für einen ehemals Norddeutschen ist das nicht mal ein Katzensprung, eher ein Wimpernschlag. Am letzten Samstag brauchten wir überraschend neue Skischuhe für meine bessere Hälfe. So fuhren wir ins Fachgeschäft. Als der Verkäufer („Wie kann ich Ihnen helfen?“) merkte, dass die Damenstiefel in der gewünschten Größe nicht da sind, machte er uns erste Vorwürfe: „Wie kann man nur so spät in der Saison noch Skistiefel kaufen! Da ist natürlich nichts mehr da …“ Noch im Laden telefonierten wir mit der Konkurrenz. „Kommen Sie vorbei, ich stelle die Größe schon einmal zurück!“ Beim Rausgehen sah ich dann noch eine Angebotsecke mit Winterschuhen und wollte mein Glück probieren. „Welche Größe haben Sie?“ „44“ Der Kommentar des Verkäufers: „Vergessen Sie’s!“ Immerhin merkte er, dass seine Kommentare wirkten und fragte: „Welche Absagen kann ich Ihnen noch erteilen.“ Obschon dieser Sarkasmus für ihn spricht, war mein Bedarf gedeckt. Bevor er uns grußlos verließ, machte er sich noch über spontanen Kaufimpulsen folgenden Kunden lustig und endete mit einer Klage über seine langen Arbeitszeiten. Meine Stimmung hatte sich inzwischen gebessert. Das Potenzial für Vertriebsschulungen ist offensichtlich riesig; gut für meine Kollegen. Wahrscheinlich aber hat der Verkäufer alles, was er hat, in Amazon-Aktien angelegt – und will mit seinem Verhalten dem Einzelhandel endgültig den Garaus machen.

Vom Umgehen mit Verhandlungserfolgen

Im Vertrieb gibt es ein ungeschriebenes Gesetz: Wenn Du ein gutes Verhandlungsergebnis erzielt hast, behalte Deine Freude für Dich und zeige es dem Kunden nicht. Er würde sonst denken, einen zu hohen Preis bezahlt zu haben. Das erzeugt schlechte Gefühle und erschwert - völlig unnötig - die Kooperation. Olaf Scholz, Lars Klingbeil und andere aus dem SPD-Groko-Verhandlungsteam kümmert das nicht. Wahrscheinlich aus Sorge vor einem No-Goko Ergebnis bei der Mitgliederbefragung heben Sie bei jeder Gelegenheit hervor, wie toll ihr Ergebnis ist und legen nach: ‚Wenn wir noch länger sitzen geblieben wären, hätten Sie uns auch das Kanzleramt gegeben.‘ Auch der Happy-Post unmittelbar nach Abschluss der Verhandlung gehört für mich in diese Kategorie. Erstaunlicherweise reagiert die CDU gar nicht darauf. Die CSU schon. Sie hat auf Mitleid umgeschaltet und macht sich öffentlich Sorgen über die SPD. Das ist noch schlimmer.
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