Gerade habe ich einen sehr interessanten Artikel von Stefan Kühl (Soziologie-Professor an der Uni Bielefeld) über die Auswirkungen der andauernden Online Kommunikation in Organisationen gelesen, den ich einmal zusammengefasst wiedergebe: Ein Merkmal der Videogespräche über Zoom, GoToMeeting, Teams, Webex u.a. im Vergleich zur Face-to-Face-Kommunikation zeitgleich im selben Raum ist ein Verlust an Ausdrucksformen und ein Mangel an Informationen. Wir sehen vom anderen nur Kopf und Schulter in der immer gleichen Perspektive, wir können uns nicht mal schnell in einem Seitengespräch nach dem letzten Wochenende erkundigen und auch nicht mit einer sympathischen Kollegin oder einem sympathischen Kollegen vielsagende Blicke austauschen. Aber: Für die zur Lösung stehenden Aufgaben in Organisationen ist das auch nicht zwingend notwendig (wenngleich es systemisch wichtig sein kann). Im Gegenteil, es kann sogar vom Wesentlichen – der aktuellen Problemlösung – ablenken.
In der Konsequenz fokussieren sich die Teilnehmenden einer Online Kommunikation auf die Sachdimension – und das kann für viele Organisationen ein großer Vorteil sein. Unter anderem, weil die Selbstdarstellungsmöglichkeiten einzelner in diesem Rahmen stark eingeschränkt sind. Wenn jetzt noch jemand die Diskussionen auf einem geteilten Bildschirm mitvisualisiert, wird die Konzentration auf die Sachebene noch verstärkt. Die Hypothese ist, dass Online Meetings deswegen auch anstrengender erlebt werden – und häufige Pausen angeraten sind.
Wenn es gut läuft, kann man hier von einer Effizienzsteigerung sprechen. Freilich wird diese mit hohen Kosten auf der Sozialdimension der Kommunikation bezahlt. Die Lösung wird wie so häufig im sowohl als auch bestehen …
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